| Es gibt ein Sprichwort, daß sicher den meisten von uns geläufig ist: "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte." Das mag auch seine Richtigkeit haben, wie das tägliche Leben immer wieder beweist. Worte sind schnell dahergesagt. Jeder faßt nur das von ihren Bedeutungen auf, was ihm in dem gerade gesprochenen oder geschriebenen Zusammenhang passend erscheint. |
| Intelligente Zeitgenossen begnügen sich damit nicht. Sie lesen auch "zwischen den Zeilen". So wird jedenfalls Intelligenz im allgemeinen übersetzt, bloß weil das lateinische Ursprungswort "intellegere" in unserer Sprache "dazwischenlesen" bedeutet. Wie müßte man jemanden bezeichnen, der nicht nur zwischen den Zeilen, sondern sogar zwischen den Worten liest? Oder gar zwischen den einzelnen Buchstaben? Oder einfach die Buchstaben? |
| Wir sind sicher alle darin einig, daß die ersten Buchstaben über verschiedene Abstraktionsstufen aus der Bilderschrift entstanden sind. Danach besteht also ein Wort, sei es auch noch so klein, aus mindestens einem abstrakten Bild. |
| Übertragen wir dies auf das oben zitierte Sprichwort: "Ein Bild sagt mehr als 1000 Bilder." Betonen wir dabei die Zahlwörter statt der Substantiva, leuchtet auch das unmittelbar ein, wenn das eine Bild ein treffendes ist. |
| Ich denke, daß es sich nach dem geschilderten lohnt, das ein oder andere Wort einmal genauer zu untersuchen. Erst recht, wenn ich bedenke, daß in dem Buch mit der größten Auflage der Welt, der Bibel, zu finden ist: |
| "Am Anfang
war das Wort,
und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." |
| Zunächst sollten wir uns bewußt machen, daß es sich hierbei um eine Übersetzung handelt. Im altgriechischen Text steht statt "Wort" "logos". Man könnte auch übersetzen: "Am Anfang war der Gedanke.....". |
| Warum sollen wir uns zwischen diesen beiden Wortinhalten entscheiden? Berücksichtigen wir die scheinbare Zweiheit, so könnte vielleicht richtig sein: |
| "Am Anfang
war das Wort gleich der Gedanke,
und das Wort gleich der Gedanke war bei Gott, und Gott war der Gedanke gleich das Wort." |
| Um keine theologischen Inkonterabilien heraufzubeschwören, darf dies nicht als Definition von Gott verstanden werden. Das Beispiel soll vielmehr zeigen, wie schwer es sein kann, Dinge in Worte zu fassen, die unserem Gemüt leichter zugängig sind. Nennt man nicht jene gemütlich, die ihr Herz auf der Zunge tragen und deren fidele Augen ehrlich leuchten? |
| Ein bildender Künstler spricht mit seiner Aussageform unsere Emotion an, die über erheblich komplexere Wahrnehmungsmöglichkeiten verfügt als unser Verstand. Dieser muß sich alles, was er begreifen will, erst bewußt machen und deshalb analysierend zerpflücken. "Er sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr." |