"fleißiges Lieschen"





























Der kleine Unterscheid
(1. Entwurfsversuch)
Die Wissenschaft der Biologie hat uns unter anderem das Wissen verschafft, daß Frauen zwei XX-Chromosome haben und Männer ein X und ein Y . So gesehen liegt auf der männlichen Seite ein kleines Defizit. Dem Herrn der Schöpfung ist einer abgegangen. Nämlich einer der vier Stränge eines seiner X-Chromosome. Genauer gesagt hat er diesen Balken lediglich umgepfropft und seither was Handfestes vorzuzeigen. Natürlich ist der erfundene Vorgang nicht die Wahrheit und schon gar nicht nachzuweisen. Nach meinem Geschmack ist die althergebrachte Erklärung an einschlägiger Stelle für die verschwundene Rippe des männlichen Brustkorbs genauso erfunden und genauso wenig nachzuweisen. Fragt man, wer hat was davon, könnte man annehmen, der oder die Erzähler waren männlichen Geschlechts. Bei ersterem verbürge ich mich dafür. Die zugrunde liegenden tatsächlichen Ausfälle summieren sich bis hierhin schon zu 2 Mangelerscheinungen selbst beim stolzesten Manne. Sollte jemand einwenden, der o. e. Pfropfen müsse aber noch auf der Habenseite verbucht werden, so bitte ich um Einsicht. Das Gute versteckt sich.

Die Wissenschaft der Biologie hat uns u. a. auch dieses Wissen verschafft, daß über lange Zeit in der lebenden Natur eine Vermehrung und Fortpflanzung nur in vegetativer Form vonstatten ging. Ein Gartenliebhaber z. B. weiß, daß auch heute noch viele Pflanzen durch Ableger,  Stecklinge oder ähnlich ohne jegliches Zutun des viel bemühten Bienchens zu vermehren sind. Nur so aus Spaß an der Freude gehen wir mal davon aus, daß dies die Zeit der reinen XXe war. Irgend wann ist dann ganz spontan ein X mal die Treppe runter oder aus dem Fenster gefallen und hat sich ein Stummelchen abgebrochen. Weg war es. Nix da! Ein paar seiner MitXXe, die grad in der Nähe waren, erschreckten sich zwar zuerst. Bei genauerem Betrachten aber fanden sie das X-unten-ohne ganz süß und fingen zu überlegen an, wofür dieses Dreibein noch nütze sein könnte. Fürs erste gaben sie das gefundene losgelöste Beinchen, mit dem sie allerhand Dinge angestellt und dessen Bruchstelle sie sorgfältig zur Linderung durch kräftiges Blasen gekühlt hatten, dem vollkommen verdutzten Opfer zurück, damit eine halbwegs vernünftige Fortbewegung weiter gewährleistet war. Der Krückstock war erfunden. Alle, die zum ersten Mal seiner ansichtig wurden, riefen statt "Oh Wunder!" einfach "Üps!" So hatte das ehemalige X außer einem Beinchen auch einen eigenen Namen weg.

Die vielen homogenen Xixe versorgten das außergewöhnlich heterogene Xüps mit allem, was zu dessen Lebensunterhalt vonnöten war. Zum einen natürlich aus Mitleid mit dem abnormen Mitglied in ihrem Genpool. Zum andern wollten sie, daß dieses reformierte Wesen bei Kräften blieb, um auf so extraordinär amüsante Art vom Beinchen auf's Stöckchen und vom Stöckchen auf's Beinchen von V nach D zu kommen. Sie meinten auch, wahrnehmen zu können, wie peu a peu, Woche für Woche seine Bewegungen flüssiger und schneller wirkten. Xüps arbeitete kräftig an seiner Fortbewegungstechnik und war sich seiner Einmaligkeit voll bewußt. Die Xixe schufteten den lieben langen Tag und mühten sich, ihm sein behindertes Dasein so bequem wie möglich und seinen schlimmen Unfall vergessen zu machen. Aber war das überhaupt ein Un- oder ein Glücksfall? Auf jeden Fall mußten es die lästigen Alltagssorgen nicht mehr kümmern. Und je flüssiger sein Bewegungsablauf wurde, umso häufiger kam ihm der Gedanke, daß sein abgefallener Körperteil nicht nur zur Stabilisierung dienen konnte. Es kam immer noch ab und zu vor, daß es beim mutigen Versuch, seine Fortbewegung zu beschleunigen, kurz ins Wanken geriet. Meist riss es dabei ganz unwillkürlich, um seine Balance zu halten, den Krückstab ruckartig nach oben.  Alle Xixe um es herum erschraken sich jedes Mal. Ihre hilfsbereiten Augen fragten sich: "Na, bleibt es stehen, oder müssen wir eingreifen?" Sobald seine Stütze wieder unten war, beruhigten sich die Xixe allmählich und gingen.wie üblich ihrem Tagwerk nach.

Eines schönen Tages kam dem Xüps ein excellenter Einfall. Die ganzen originären Homos waren irgendwie langweilig. Sie beschäftigten sich den lieben, langen Tag nur mit sich selbst. Gut, es wurde von ihnen gefüttert. Aber ein Xüps lebt  ja nicht von Amino allein. Und wie die sich abstrampelten. Sah  gekonnt aus. Bestimmt! Von Eleganz aber kein Schimmer! Hatte eher was von einem ins Wasser gefallenenen Hund. Ups! Der ist ja noch gar nicht erfunden. Wie wäre es wohl, wenn es mit seinem selbständig gewordenen Strampelstummelchen mal wedeln würde. Wedeln? Wo hatte es bloß diesen Ausdruck her? Mußte ihm aus dem unbekannten Nichts, das ihren warmen Pool vollkpmmen umhüllte, zugefallen sein. Naja, auf jede Fälle mußte es was völlig Anderes sein als Strampeln und Stochern! Rauf und runter, rauf und runter! Da kam man doch gar nicht richtig von der Stelle. Seitwärts, das könnte es vielleicht sein! Das hatten selbst die Xixe noch nicht probiert. Jedenfalls hatte es noch niemand gesehen, geschweige denn davon erzählt.


Fortsetzung folgt













 


"Anthurie"






























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