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Renata amica Damals, 1956, fing es an. Meine Großeltern bewirteten in ihrem gut besuchten Gasthof die geselligen Dorfbewohner des kleinen Nestes und die Gäste der fünf Fremdenzimmer, die werktags fast immer voll belegt waren. Auch betrieben sie eine kleine Landwirtschaft mit Viehhaltung und intensivem Gemüsebau. Unterstützt wurden sie tatkräftig von ihrer ältesten Tochter Lucia, deren Händen man ansah und anfühlte, daß sie, seitdem ihr geliebter Mann im 2. Weltkrieg geblieben war, für ihn mitgearbeitet hatte. Ihre 1940 geborene Tochter Alexandra und ihr 1942 geborener Sohn Willi hatten selbstverständlich nach dem Schulunterricht und in den Ferien feste mit anzupacken. Hausaufgaben wurden abends, wenn's dunkel war, erledigt. Um ihre spärliche Freizeit möglichst weit auszudehnen, fanden meine Cousine und mein Cousin sehr oft Freunde oder Spielkameraden, die ihnen bei der Verrichtung ihrer Pflichten halfen, so gut sie konnten. Zu den Hauptaufgaben Alexandras gehörte es, jeden Tag gleich nach der Schule und dem Mittagessen die Gästezimmer aufzuräumen und auch die Betten zu machen. Sehr oft und während der Ferien fast täglich teilte sie sich diese anstrengende Arbeit mit ihrer Schulfreundin, die nur schräg über die Straße zu Hause war. Meine Cousine machte Ordnung und Renata richtete die Betten. In den Sommerferien war ich regelmäßig für drei bis vier Wochen zu Besuch bei meiner rechtschaffenen, strengen Oma. Alexandra und ihre Klassenkamaradin spielten viel mit mir und kümmerten sich rührend um mich. Eines schönen Sommertages, ich war kurz zuvor sieben geworden, sagte Renata gleich nach dem Mittagessen zu Alexandra: "Ich gehe die Zimmer machen. Du kannst ja in der Zeit das geerntete Gemüse waschen und für den Markt ordentlich in Kisten packen. Dann können wir nachher zusammen an den Rhein gehen." Meine Cousine war einverstanden und Renata nahm mich zur Gesellschaft mit. Wie es bei diesem ersten Mal begann, weiß ich nicht mehr so genau. Aber, als würde es gerade geschehen, fühle ich sehr lebendig mein kleines Händchen unter ihrem luftigen Sommerröckchen. Renata liegt rücklings auf dem noch aufgedeckten Bett, lächelt mich ermunternd an. Ihr rechtes Bein hat sie lang auf das zurückgeschlagene Plumeau ausgestreckt, mit ihrem linken Fuß stützt sie sich entspannt auf den Boden. Es gefällt mir, sie so zu sehen, und wie sie mir über mein Haar streicht. Eine wohlige Wärme strömt still durch ihr weiches Unterhöschen in meine linke Handfläche. Eine ganze Weile später sahen wir zusammen mit Alexandra den großen und kleinen Schiffen auf dem breiten Strom zu, wie sie flußabwärts trieben oder sich gegen das fließende Wasser in Richtung Quelle schoben. Niemals haben wir zwei über unsere geheimen Augenblicke ein Wort verloren. Genauso gerne wie immer besuchte ich meine Oma und die anderen. Meine Cousine freute sich, daß sie Renata nicht beim Bettenmachen helfen mußte. Bis 1960 hatte ich in der Grundschule schon soviel gelernt, daß ich zum Gymnasium mußte. Die schöne Zeit war vorbei, der Ernst des Lebens forderte meinen Tribut. Alle paar Jahre sehen wir uns anläßlich von Familienfeiern seitdem. Für einen unsichtbaren Augenblitz ist keine Millisekunde vergangen. |